Aus dem Gießener Anzeiger vom 14.03.2016

"Im Seltersweg nach Knaben umgeschaut"

ABITURJUBILÄUM Jahrzehnte nach Schulabschluss treffen sich Ehemalige der Ricarda-Huch-Schule / Unvergessliche Anekdoten

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Bildquelle: Jung

GIESSEN - (kg). „Es riecht noch so wie früher“, stellte Dominik Kuhn als Vertreter des jüngsten Abitur-Jahrgangs bei der Feier der Abijubiläen in der Cafeteria der Ricarda-Huch-Schule (RHS) fest. Vor 25 Jahren hatte er mit 40 weiteren Schülern das Abitur abgelegt und freute sich, wieder an seine alte Schule zurückzukehren. 140 Gäste kamen auf Einladung des Vereins Ehemalige und Freunde der Ricarda-Huch-Schule. Vorsitzende Ingrid Pfeiffer hieß 13 Diamantene Abiturientinnen, 38 Männer und Frauen, die vor 40 Jahren ihre Reifeprüfung ablegten, und die 41 „Küken“, die ihre 25. Wiederkehr des Abiturs abends würdig im Boothaus weiterfeierten, willkommen.

„Damals haben Sie getrennt gezittert, heute feiern Sie gemeinsam“, richtete sie sich an den Jahrgang 1976, der „im Doppelpack“ im Kurzschuljahr die Prüfungen absolvierten. Pfeiffer konnte auch „eine Eiserne Lady“, wie sie sagte, unter den Jubilaren begrüßen: Vor 65 Jahren legte Dr. Christa Hering ihr Abitur an der RHS ab.

Die organisatorischen Arbeiten im Vorfeld der jährlichen Treffen sind aufwendig, machte die Vorsitzende deutlich. Besonders die Suche nach den Adressen der einstigen Schüler. Eine der früheren Abiturientinnen bestätigte das im Gespräch mit ihrer Nachbarin: „Ich habe gegoogelt und nichts gefunden“, flüsterte sie. RHS-Direktor Werner Nissel bezeichnete den Verein der Ehemaligen als „Zierde für die Schule“, denn die anderen Schulen würden so etwas nicht bieten. Als Schulleiter freue er sich über die schöne Verbundenheit. Die Ricarda Huch Schule wird in diesem Jahr 175 Jahre alt. Am 16. September findet ein großes Schulfest statt, der Festakt folgt am 19. November in der Uni-Aula, lud er schon jetzt die Gäste ein. Die Anwesenden könnten ihre Abiturarbeiten einsehen, bot Nissel an, doch es seien leider nicht mehr alle Klassenbücher vorhanden.

Ihre Schulzeit sei „ärmlich und beschränkt“ gewesen, erinnerte Hanne Hoppe, die vor 60 Jahren die Schule verließ und später als Lehrerin arbeitete. „Nach Knaben ausschauend“ seien die Schülerinnen damals über den Seltersweg geschlendert, es gab nur wenig Abwechslung im Schulalltag. In ihrem Rückblick widmete sie sich auch den Bekleidungsgewohnheiten der Lehrer. Anzug, Hemd und Krawatte folgten in den 1970er Jahren Sakko mit offenem Hemd. In den 80ern beherrschten Turnschuhe und Pferdeschwanzfrisuren die Unterrichtsräume. „Am Ende des Tages hatten wir handwerkliches Niveau in Physik erreicht“, blickte Dr. Thomas Karg vom Abijahrgang 1976 zurück. Ein „Aah“ ging durch den Saal, als er den Namen des damaligen Chemielehrers nannte. Dem heutigen Mediziner blieb „die Einsatzbereitschaft der Lehrer“, in guter Erinnerung. So unterrichtete ein Lehrer, der wegen eines Beinbruchs nicht in die Schule kommen konnte, zu Hause in seinem Wohnzimmer vier bis fünf Schüler, die das Wissen an ihre Mitschüler weitergaben.

Schwung kam in den Saal, als FFH-Pressesprecher Dominik Kuhn zum Mikro griff. Er sorgte für Schmunzeln, als er vom Physiklehrer, der der Klasse den freien Fall erklären wollte, erzählte: Die Stoppuhr fiel zu Boden und der Lehrer schaute verdutzt auf den Backstein, den er noch in der Hand hielt.

© RHS Giessen 2008