Zweiter Preis für die Ricarda-Huch-Schule im Wettbewerb „Schulen im Trialog – Europäische Identität und kultureller Pluralismus“ Inhalte und Ziele des Wettbewerbs „ Schulen im Trialog  – europäische Identität und kultureller Pluralismus“ trafen an der RHS auf Themen und Anliegen, die seit langem ein Teil der Schultradition und des Schullebens waren und durch die Wettbewerbsteilnahme entscheidende neue Impulse erhielten.

 

Trialog der Kulturen

Deshalb bewarb sich die Schule bei der Herbert-Quandt-Stiftung in Bad Homburg zur Teilnahme am Schulwettbewerb für das Schuljahr 2005/06.

Mit ihrer Arbeit konnte die Ricarda-Huch-Schule einen zweiten Preis erringen.
In der Begründung der Jury heißt es dazu:

„Dies ist die einzige Schule des Wettbewerbs, bei der die Schüler die Initiative zur Teilnahme am Wettbewerb ergriffen und gemeinsam mit den Lehrern umsetzten. Mit guten Kontakten zu schulexternen Partnern organisierten die Schüler neben trialogisch besetzten Podiumsveranstaltungen auch Lesungen und jüdisch-muslimisch-christliche Gedenkveranstaltungen zur Reichspogromnacht. Als herausragend bewerteten Stiftung und Jury die sorgfältige Dokumentation der Projekte“.

Im Wettbewerbsjahr hat die Schule den Trialog der Kulturen organisatorisch und inhaltlich im gesamten Schulleben verankert. Die interreligiöse Seelsorge wurde ausgebaut, die Revision des Schulprogramms begonnen, spezielle Literatur für die Schulbibliothek erworben, ein interreligiöser Elterngesprächskreis gegründet und eine A14-Stelle für die künftig hauptamtliche Projektleitung besetzt. Themen zum Trialog der Kulturen wurden im Unterricht, in Projekten, bei Exkursionen, Prüfungen u.ä. aufgegriffen.

Interkulturelle Aktivitäten prägten den „Tag der offenen Tür“ im Jahr 2006. Weitere Aktionen im Laufe des Wettbewerbsjahres waren das Anbringen des „Kalenders der Religionen“ in allen Schulräumen, ein Expertengespräch zum „Karikaturenstreit“ und eine interkulturelle Autorenlesung mit einem deutsch-palästinensischen Autor.

Der traditionell gepflegte christlich-jüdische Dialog konnte gefestigt und zu einem Trialog mit dem Islam weiterentwickelt werden. Das wurde exemplarisch augenfällig an den beiden zentralen Veranstaltungen „Gedenken an den 9. November 1938“ (2005) und „Treffpunkt der Kulturen“ (2006), bei denen sich  - 2006 im Rahmen der christlich-islamischen Tage - Schüler und Lehrer mit Menschen aller drei Religionen zur Präsentation ihrer Trialogarbeit und zum Gedankenaustausch trafen.

In den Jahren 2007 und 2008 hat die RHS unter der Leitung des Trialog -Teams das Gedenken an den Holocaust in den Veranstaltungen zum 9. November 1938 weitergeführt, bzw. führt sie weiter. Sie sind nach wie vor die jährlich wiederkehrenden Kristallisations-punkte des Trialogs der Kulturen und bilden den Rahmen um die übrigen Aktivitäten.

Ein Höhepunkt 2007 war der Besuch des Holocaust-Überlebenden Tommy Breuer aus Israel, der Schülern der RHS und ihren Gästen, einer Schülergruppe der Sharet-Schule aus Netanya/Israel, seine Lebensgeschichte erzählte. Bei dieser Begegnung entstand der Wunsch beider Schulen zur Entwicklung einer festen Schulpartnerschaft.
Durch ihre Mitarbeit in der Initiativgruppe „Stolpersteine“ in Gießen hatte die RHS großen Anteil daran, dass in der Stadt im April 2008 die ersten Stolpersteine durch den Künstler Gunter Demnig verlegt wurden. 

Eine Schüler-Lehrer- Gruppe der RHS erforscht das Schicksal der jüdischen Schülerinnen, die die ehemalige Mädchenschule bis 1938 besucht haben, und hat für zehn der ermordeten Schülerinnen Stolpersteine vor dem historischen Hauptportal der Schule verlegen lassen. Mit einer ständigen Ausstellung im Foyer der Schule sowie einer öffentlichen Gedenkfeier anlässlich der Verlegung der Steine wird bzw. wurde an sie erinnert.

Am 27.8.2008 besuchten ehemalige jüdische Schülerinnen, die die Schule in den 30er Jahre verlassen mussten und heute in Israel leben, mit ihren Angehörigen die RHS, um sich diese Ausstellung anzusehen. In den Gesprächen mit Schülern und Lehrern galt ihr Interesse besonders der Tatsache, dass Schülerinnen und Schüler unterschiedlichen Glaubens und unterschiedlicher Herkunft sich an der Arbeit beteiligen. Große Zustimmung bei den Gästen fand zudem das Konzept, Erinnerungsarbeit und den Blick auf die Zukunft miteinander zu verknüpfen und gegen aktuellen Antisemitismus und Rassismus einzutreten. Dazu hatte das Trialog- Team im Herbst 2006 in Zusammenarbeit  mit „Gesicht zeigen! Aktion weltoffenes Deutschland e.V.“ ein kontinuierlich fortgeführtes Projekt gestartet: Schüler, Eltern und Lehrer nehmen mit ihren Fotos auf großen Plakaten Stellung gegen Antisemitismus, Rassismus und jede Art von Ausgrenzung.

Siehe auch:

Presseartikel | 22.09.2006 | Giessener Allgemeine

Herbert Quandt Stiftung

 

 

© RHS Giessen 2008