Das Namibia-Projekt. Das Kollegium der Ricarda-Huch-Schule fördert die Berufsausbildung von Jugendlichen in Afrika, bewegt sich mit diesem Projekt in eigener guter Tradition und übernehmen Gerd Perkitnys Herzensangelegenheit als Vermächtnis.

Zurück zur Übersicht

 

Bildquelle: privat

Das Bild stammt aus dem Jahr 2006 und zeigt Gerd Perkitny und Schüler der Jahrgangsstufe 11 der Kandjimi Murangi Secondary School in Nankudu bei der Inbetriebnahme der neuen EDV-Anlage.

Bild vergrößern

Im Herbst 2010 bat Gerd Perkitny, der bis zu seiner Pensionierung Leiter des mathematisch-naturwissenschaftlichen Aufgabenfeldes an der RHS gewesen war, in einer Gesamtkonferenz  das Kollegium um finanzielle Unterstützung zur Berufsausbildung einiger seiner ehemaligen Schüler in Namibia. Das Kollegium beschloss einstimmig, durch eine halbjährliche Spende dieses  Vorhaben zu fördern. Die erste Sammelaktion ergab die Summe von 1410 €.

Gerd Perkitny war von 2006 bis 2008 fast drei Jahre lang als Entwicklungshelfer an einer Schule in Nankudu im Norden Namibias tätig. Dort beschränkte er sich nicht darauf, Mathematik und Physik zu unterrichten, er organisierte vor Ort, u. a. bei der Deutschen Botschaft, Gelder und Hilfsmittel, um die Schule zu renovieren und Unterrichtsmittel anzuschaffen. Sponsoren aus Deutschland, auch das Kollegium der RHS, halfen schon damals mit Spenden. Damit konnte die Schule mit 6 Computern ausgestattet werden, die erste Möglichkeit, im Unterricht EDV-Kenntnisse zu erwerben.

Zur Renovierung der Schule leitete der handwerklich geschickte  Kollege einige seiner Schüler an, die diese Arbeit dann verantwortlich übernahmen. Dass Gerd Perkitnys Wirken in Nankudu nachhaltig ist, davon konnten er und eine Gruppe von Sponsoren sich während einer Reise im Dezember 2009 überzeugen.

Namibia ist ein faszinierendes Land, die Bevölkerung ist arm. Das durchschnittliche pro Kopf-Einkommen beträgt etwa 120  € im Monat. In den ländlichen Gebieten – mehr als 80% des Landes - gibt es kaum eine Möglichkeit zum Gelderwerb. Dies stellt die Familien vor unlösbare Probleme, wenn es allein um die Bezahlung des Schulgeldes (100 € pro Jahr) und den Kauf der vorgeschriebenen Schuluniformen für mehrere Kinder geht. Dazu kommt noch, dass die HIV-Rate hoch ist und Aids-Waisen von Familienangehörigen durchgefüttert werden müssen. Ein Beispiel: Martha, eine Küchenhilfe an der Schule in Nankudu verdient immerhin pro Monat etwa 150 €. Damit versorgt sie zu ihrer eigenen Tochter noch 5 weitere Waisen von Verwandten. Allein einen Wasseranschluss bei der Hütte zu haben, ist ein enormer Luxus; ein Stromanschluss ist nicht finanzierbar.

Gerd Perkitny war es wichtig, dass einige seiner ehemaligen Schüler aus armen Familien, die ein gutes Abitur abgelegt hatten und zudem auch soziale Verantwortung zeigten, eine Berufsausbildung haben sollten. Nicht nur Schulbesuch, auch Berufsausbildung in Namibia muss bezahlt werden! Einer der Schüler absolviert inzwischen eine Ausbildung als Krankenpfleger und wird bald sein Abschlussexamen machen. Ein weiterer studiert mit großem Erfolg an der „Polytechnic“ in Windhoek und wird voraussichtlich in einem Jahr sein Ingenieur-Studium abschließen (Semestergebühren einschließlich Wohnheim 2700 €). Ein dritter macht eine Ausbildung als Geologe.

Sinnvolle Entwicklungshilfe ist Hilfe zur Selbsthilfe, Berufsausbildung ist ein wesentlicher Teil davon. Gerd Perkitny ist im Dezember überraschend verstorben. Seine Familie, Freunde und das Kollegium der RHS übernehmen sein Herzensanliegen als Vermächtnis. Die Berufsausbildung der bisher geförderten Schüler soll zu einem guten Abschluss gebracht werden.

Im Übrigen hat das Engagement des Kollegiums der RHS eine gute Tradition. Zehn Jahren lang unterstützte das Kollegium mit Spenden den Verein „Hilfe für Kinder und Jugendliche in Nord-Tanzania“, den Martha Kuhl-Greif, ebenfalls eine ehemalige Lehrerin an der RHS, gegründet hatte. Ziel des Vereins war vor allem die Sicherung von Schulbesuch und Berufsausbildung für Aids-Waisen. Das Projekt dieses Vereins ist nunmehr abgeschlossen. Von den vielen geförderten Kindern in Bujora wurden 15 sogar vom Kindergarten an bis zur abgeschlossenen Berufsausbildung unterstützt. Sie können nun für sich und Familienangehörige sorgen. Die Spendenbereitschaft des Kollegiums der RHS kommt nunmehr der Berufsausbildung junger Hoffnungsträger in Namibia zu gute.

Text: Eva Jobst
Eva Jobst hat 40 Jahre lang an der Ricarda unterrichtet, zuletzt war sie dort Leiterin der Gymnasialen Oberstufe. Mit Herrn Perkitny war und mit seiner Familie ist sie freundschaftlich verbunden und hilft bei der weiteren Organisation, damit das Projekt nach Gerd Perkitnys Tod fortgeführt werden kann. Über seine Tätigkeit als Entwicklungshelfer hat er Eva Jobst ständig informiert; sie gehörte auch zur Reisegruppe, die im Dezember 2009 u.a. die Schule in Nankudu besuchte, und lernte drei der geförderten Jugendlichen dort selbst kennen. 

 

Projekt erfolgreich abgeschlossen!

[Mai 2014] Die beiden Studenten Thomas und Abreu haben ihre Ausbildung erfolgreich beendet bzw. beenden sie im Moment. Wir danken allen Spendern, mit deren Zuwendungen das Projekt erfolgreich abgeschlossen werden konnte, für ihren Beitrag.

 

© RHS Giessen 2008